paar_abgewandtManche von Ihnen werden es kennen: Was am anderen einmal faszinierend war, stört meist irgendwann in einer Beziehung. Dieses Phänomen mutet auf den ersten Blick zwar seltsam an, leuchtet aber nach einiger Gedankenarbeit ein. Das scheinbar Gegensätzliche zieht uns oft an, Menschen, die unsere Schattenseiten in persona repräsentieren. Einige Beispiele: Am Anfang findet man das extrovertierte Wesen des anderen anziehend, dann lästig, besonders in Gesellschaft. Oder nehmen wir introvertierte Männer, die schweigsam sind. Beim ersten Date mit einem solchen Typen mag sich seine Gesprächspartnerin denken: "Wow, ein stilles Wasser wie der, das ist bestimmt tief." Nun, oft wird hier zu stark idealisiert. Und dann kommt es knüppeldick (wie erwähnt): die gegensätzlichen Charaktereigenschaften stören. Und was uns stört, das muss "weg".
Viele schreiten entsprechend voran und wollen den anderen umerziehen. "Sei doch nicht immer so . . .", heißt es dann oft. Nun, leichter gesagt, als getan. Denn es ist sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, Mitmenschen zu ändern.
Hierzu erschien kürzlich ein sehr lesenswertes Buch vom hervorragenden Hirnforscher Gerhard Roth. Es heißt: "Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern".
Lassen wir den Bereich "Selbstveränderung" einmal beiseite und widmen uns der Modifikation des anderen. Viele verfahren nach einer gewohnten Methode, die nach Roth die populärste, aber mit Abstand wirkungsloseste ist; sie lautet "Befehl von oben". Entsprechend wird mit negativen Konsequenzen gedroht, sollte der andere wieder in sein altbekanntes Verhalten zurückfallen. Ein nur scheinbarer Erfolg wird sichtbar. Dadurch würde sich der Mitmensch lediglich (aus Angst) anpassen, aber gewiss nicht innerlich ändern, so Roth. Durch eine erzwungene Anpassung entsteht außerdem dummerweise Frustration, und dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der andere sich an mir in irgendeiner Art und Weise rächt.
So geht es also nicht. Roth empfiehlt: Weil sich unsere emotionalen Gehirnzentren (etwa die Amygdala) stets fragen: "Was habe ich von diesem oder jenen Verhalten", muss psychologisch versiert agiert werden.
Es bringt mehr, auf den anderen einzugehen, sprich: ihn/sie für Verhaltensänderungen schrittweise zu belohnen. Unser Gehirn ist so strukturiert, dass es Verhalten, welches die Ausschüttung von Glückshormonen (etwa Dopamin) provoziert, bevorzugt wiederholt.
So könnte man also "Gutscheine" für erwünschtes Verhalten verteilen, die dann irgendwann eingetauscht werden können in "die schönen Dinge des Lebens".
Dreimal dürfen Sie raten, welche das sind.